wien. ich
vermisse das leben dort so fatal, dass ich hier manchmal vergesse wie atmen
geht.
die nacht dehnt sich in mir aus, pumpt mich auf sodass ich platzen mag, mach einen riss rein damit ich ein angerissener luftballon bin, der dem druck entrinnen kann.
die nacht dehnt sich in mir aus, pumpt mich auf sodass ich platzen mag, mach einen riss rein damit ich ein angerissener luftballon bin, der dem druck entrinnen kann.
und was rede ich.
in diesem blumenbett und dezember so still, und meine haut vergisst und meine
gedanken verheddern sich, wie immer.
ich kaufe stilles
wasser in 2 liter kanistern weil das leitungswasser übelkeit verursacht und die
engländer schütten es sich alle den rachen runter und ihnen gehts gut dabei und
ich fühle mich als ob ich den ganzen tag luft schlucke und wahrscheinlich ist
dem auch so. irgendwie breitet sich das leben vor mir aus und macht es sich
bequem und ich schaue es fassungslos an und kann es nicht berühren,
vielleicht sind meine hände zu taub oder meine sicht getrübt, ich stehe nur da
und schaue den bussen nach und trete auf tote stücke baum und stecke mir
irgendeine schokolade in den mund ohne sie zu schmecken.
ich könnte mich
neu interpretieren, aber ich habe vergessen wie das geht. vielleicht sollte ich
alles vergessen um den neustart in gang zu setzen aber so fatal war ich noch
nie und stets zu sehr ein kind der nostalgie.
ich schaue jedem
hund ins gesicht und drücke die tränen zurück in mein auge und tue so als ob
sonnenlicht allein genügt um zufrieden zu sein, ich bin alleine und es ist gut,
alleine gut, so ist es doch? ich stapfe eine 'road' nach der anderen runter, und
hoch, und in schlangenlinien weil hier alles über eck und in kurven verläuft
und ich verlaufe mich nicht mehr und verstehe dennoch nicht worauf ich laufe,
was das da ist, dieser boden, und dieses land unter mir und ich habe nur eine
handvoll wörter, einen namen und keine ahnung von einem gefühl oder ein gefühl, und dennoch keine ahnung, und die sprache,
ich merke wie ich meine sprache in dieser sprache verstummen lassen muss und mich trenne von
dem, was ich dort war wo ich herkomme, um zu werden was ich dachte werden zu wollen, aber
vielleicht ist alles ganz anders und die englischen laute wollen mir so oft im
rachen stecken bleiben und ich will eigentlich nur sagen wie sie sehr brennen
im hals, manchmal, und wie ich ein ganzes bouquet an buchstaben zur schau
stellen könnte, wenn es doch nur jemand verstünde hier. ich schlucke meine
sprache hinunter, spüle sie mit dem stillen wasser fort und bleibe stumm, und
brabble weil ich reden muss, und die lachenden augen glänzen und sind schön und fremd und ich möchte mich in eine wolldecke rollen und einem kaminfeuer lauschen wie
es knistert und hände halten die um mich wissen.
noch nie bin ich
so schnell gealtert, denke ich, dieser prozess verschleunigt sich und es ist zu
spät um „später einmal…“ zu sagen und
ich weiß, dass es eine gärende halbwahrheit ist, und ich höre die stimmen in
meinem kopf summen die sagen „alles wird gut“ und ich habe noch niemas so
selten daran geglaubt wie in diesen tagen, wochen, monaten und wenn es auch nur
eine bedeutung gäbe, eine einzigartige klare, die man mir nennen könnte, die
ich habe, die ich wirklich fassen kann, aber dezember liegt stumm in meinen
armen und ich schlafe, schlafe selbst wenn ich wache, entgleise mir in gefilde
zu denen ich keinen zutritt gewährt bekomme…
irgendetwas in
mir ist wahnsinnig deutsch, das hört sich seltsam an aber das gefühl geht
anders, das ist sogar ein wenig wohlig und ich will es greifen und ein wenig
streicheln können, ein stückchen identität, das mir so sehr abhanden gekommen
ist und ich suche in den schimmligen ecken meines england-zimmers nach beweisen
aber alles schweigt, ich werde nicht aufgedeckt, nicht verraten, ich kann hier
alles sein, und es ist nicht viel, noch nicht, nie, ich weiß es nicht und ich
will, dass es aufhört, ich will irgendetwas erkennen dürfen, ob das eine prüfung ist, ob ich sie bestehe, ob der weg wie immer das ziel ist, aber wenn der weg so ermüdend ist, lohnt es sich ihn zu laufen, und wenn es doch nicht mein weg ist, und wenn all mein wünschen illusion ist, ich jemand ganz anderes bin, und ich weiß das und drücke die tränen zurück in mein auge und tue so, versuche, dass es auch ein bisschen freude macht, dieses immerwährende zehren, aber es ist leid, und das ist nicht leben, oder auch, aber ich wollte es ganz anders und was habe ich mir zurechtgelegt, all die wünsche sind zart zu zerdrücken, sind flüssiges wachs, die türen knarren, die heizung summt, mein magen knurrt, ich werde nicht satt und ich finde nicht was ich suche in den supermärkten, ich finde meine nahrung nicht, die für den körper, die für die seele, ich kann mir den wein hier nicht leisten und er schmeckt nicht, ich werde ihn mir abgewöhnen, mich mir abgewöhnen müssen.
und was bleibt, und wieso, wieso muss ich das einzige sein lassen was sich richtig anfühlt, wieso habe ich es so gewählt, wir wissen ja nie, wir stolpern und staunen, ja, auf einmal finden wir uns wieder in einem fremden land und stellen fest, dass wir hier leben, und gar nicht lebendig sind, und es doch so gewählt haben, und da staunen wir. dass das land uns nicht lebt, sondern wir selbst das schon tun müssen, dass wir wie die berge von schokolade zu weihnachten bis in den frühling nur rumliegen, dass wir vielleicht nichtmal schmecken. fad bin ich geworden.
und wie setz ich mich hier fort.
j.,
ReplyDeletedas hier ist so unfassbar schön, ich freue mich grad so, dass ich mir endlich einen blog zugelegt habe, sodass ich dir hier direkt drunterschreiben kann, wie schön deine worte sind, auch wenn sie über schmerz sind, sie sind wundervoll.
r.